Angry Author - Einbruch in mein Schreiblabor

Unfassbar!!! Bei einem nächtlichen Einbruch in mein Schreibstübchen wurden geheime Skizzen zu meiner Nicolae-Saga entwendet! Ich bin mehr als wütend, ich bin fassungslos – geradezu entsetzt. Wer tut so etwas? Und warum???


Die Vermutung liegt nahe, dass die ABA hinter der Aktion steckt. Aber auch die CSI Bookosa scheint ihre Finger mit im Spiel zu haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass diese Schnüffler noch vor dem Eintreffen der Polizei hier waren und ungefragt alles fotografierten – leider auch mich in meiner verzweifelten Rage.

Bevor die gestohlenen Dokumente nun über dubiose Quellen an die Öffentlichkeit geraten, veröffentliche ich sie lieber selber:

Geheime Notizen aus meinem Autoren-Tagebuch

Oje, die Collage ist alles, was mir geblieben ist. Gut, dass ich wenigstens die auf einer externen Speicherplatte gesichert hatte!

So, mal schauen, was haben wir denn da für Foto-Skizzen? Aha, Bestandteile, aus denen sich meine mehrbändige Familien-Saga zusammensetzt.

Ein keltisches Kreuz:

Jaja, die alten Kelten haben es mir angetan, weises Völkchen, faszinierende Kultur, die immer noch lebendig gehalten wird mit Symbolen, musikalischen Klängen und an mystischen Stätten – sagenhaft, im wahrsten Sinne des Wortes. Klar, dass das Keltentum meine Romane durchziehen muss wie ein roter Faden. 

Gleich darunter: Die Büste von dear old Vlad:

Fürst Vlad III der Walachei, auch bekannt als Vlad der Pfähler, musste für Bram Stokers Roman „Dracula“ herhalten, der Ärmste. In Rumänien übrigens als Held verehrt, den sich viele zurückwünschen. Dort schüttelt so mancher den Kopf, wenn man ihn mit einem Vampir in Verbindung bringt – dumm Tüch, wie wir Hamburger sagen, totaler Humbug!  Der wollte doch im Gegenteil sein Volk von den Blutsaugern befreien! – Ach, ich höre schon die Historiker aufschreien: Um Himmelswillen, sie ist kommunistischer Propaganda aus der Ceausescu-Ära auf den Leim gegangen! – Nö, bin ich nicht. Meine Recherchen waren vielfältig und stammen aus sehr unterschiedlichen Quellen.

Wie ist er bloß in meine Roman-Reihe geraten?

Eigentlich hatte ich mir ja felsenfest vorgenommen, nachdem Rumänien als Handlungsort ab Band 2 feststand, diese historische Figur nicht literarisch zu missbrauchen. Aber dann passierte etwas echt Seltsames: Gleich von welcher Seite ich mich während meiner Recherchen diesem Land näherte, lief er mir über den Weg. Und wenn ich ihn ignorieren wollte, stellte er mir einfach ein Bein, sodass ich über ihn stolpern musste. Mit anderen Worten: Es führte kein Weg an ihm vorbei!  Und nun ist er sogar zum Dreh- und Angelpunkt meiner Roman-Reihe geworden. Aber das darf um Gottes Willen keiner wissen, sonst wäre der Überraschungseffekt ja dahin. Andererseits … wäre es die beste Werbung, Assoziation mit Dracula beschert garantiert Aufmerksamkeit. Aber nein, ich zolle diesem mittelalterlichen Fürsten Respekt, indem ich ihn aus einem rein historischen Blickwinkel betrachte – obwohl er einem ja die Nackenhaare zu Berge stehen lässt, wenn er so durch die Saga spukt! Ungerechterweise hat er von den damaligen „Medien“  ein verdammt schlechtes Image verpasst bekommen. Noch immer sorgen gewisse Kreise dafür, dass er dieses nicht los wird. Dear old Vlad ist nach wie vor ein Reizthema – was als Autorin natürlich besonders meine Neugier erregt … J

Und was hat das Keltentum mit Rumänien zu tun?

Gaaanz viel, denn die Kelten haben sich auch in den Südkarpaten getummelt und dort ihre DNA- und sonstigen Spuren hinterlassen. Nicht zuletzt gibt es zwischen den Dakern, dem Urvolk der Rumänen (grob vereinfacht ausgedrückt) und den Kelten erstaunliche Parallelen. Zu dem Thema wurde zwar noch nicht wissenschaftlich geforscht, aber es ist offensichtlich – jedenfalls für mich. Und da meine Romane Fiktion sind, erlaube ich mir, in dieser Angelegenheit meine Eigeninterpretation hineinzubringen. Ist ja schließlich keine Doktorarbeit (obwohl es mir manchmal so vorkommt).

Ein englisches Cottage, eingebettet in blühende Hortensien:

Ah, da geht mir schlicht das Herz auf! Als junge Frau wollte ich schließlich in England leben,  vor allem in Südengland, wegen der wundervollen Aussprache und Sprachmelodie – die reinste Musik in meinen Ohren. Ganz zu schweigen von der herrlichen Landschaft. Ich habe England oft bereist und fühlte mich dort mehr zu Hause als im eigenen Land. Ich hätte natürlich wie meine Protagonisten in Band 1 an der Küste leben wollen, denn als Hamburgerin brauche ich die Nähe zum Wasser und das Gefühl, schnell mal aufs Schiff gehen und in fremde Welten segeln zu können. – Das mit der Wahl-Engländerin hat nicht ganz geklappt, das Leben hatte anderes mit mir vor.

Das Druiden-Symbol:

… auf der Schwelle einer kleinen Kirche in Irland entdeckt. Für mich ein  Symbol alles Mystischen, was meine Romane durchdringt – und das ist einiges. Neben dem historischen Hintergrund gibt es viele mystische Momente, die uns weit mehr mitteilen können als manch wissenschaftlich fundierter Bericht. Was wären wir ohne unsere Träume, Visionen, Phantasien? Rein intellektuelle und funktionelle Wesen ohne Emotionen und Empathie – und damit nichts mehr, was den Namen Mensch verdiente.  

Eine Hausverzierung mit der Jahreszahl 1857:

… aufgenommen in der Hauptstadt Rumäniens, Bukarest. Stellvertretend für das 19. Jahrhundert, das architektonisch viel Altes im neuen Gewand zu bieten hatte, alles war damals irgendwie Neo: Neo-Barock, Neo-Gotik, Neo-Renaissance. Es war das Jahrhundert, in dem sämtliche gesellschaftlichen und politischen Strömungen zusammenliefen und einen kolossalen Umbruch bewirkten. In keiner anderen Epoche wurde die Zeit dermaßen beschleunigt. Was das 19. Jahrhundert so spannend macht? Dass damals die Weichen zu unserer Gegenwart gestellt wurden. Unabhängig davon ist es eine Zeit, in der ich mich einfach zu Hause fühle, als hätte ich Jahrzehnte darin gelebt. Ob es nur an den damaligen Schriftstellern Dickens, Dostojewskij und Thomas Mann liegt, die ich als junge Frau verschlungen habe? Gleich viel. Es kam keine andere Epoche für meine Romanreihe in Frage.

Gut, es ist alles verarbeitet in meinen Büchern. Sollen die doch glücklich werden mit meinen anfänglichen Kritzeleien – ph!

Dark Monday, 09.02.2015