Interview II

Glaube hat mehr Kraft als Wissen – das musste ich erst von meinem Romanhelden lernen

 

Wenn sich Aurelia L. Porter an den Laptop setzt und zu schreiben beginnt, öffnet sich ihr ein Portal zu einer anderen Welt – eine Welt, die in der Vergangenheit und in einem anderen Kulturkreis liegt. Dann vergisst sie Zeit und Raum und lässt ihre Romanfiguren die Feder führen. Dennoch verlässt sie dort nie den Boden der Realität. Denn Phantasie und Wirklichkeit gehören für sie zusammen und zerfließen darum auch in ihren Geschichten ineinander. Die gebürtige Hamburgerin kann sich durchaus vorstellen, im 19. Jahrhundert bereits gelebt zu haben. So vertraut ist ihr diese Epoche, mit der sie sich seit Jugendjahren beschäftigt.

 

 

Das Besondere an deiner Familien-Saga ist, dass du darin Historisches mit Mystischem vermischst. Märchen, Mythen und Legenden treffen auf Geschichte und Wissenschaft – wie passt das zusammen?

 

Sehr gut passt das zusammen. Im Prinzip kann man Märchen, Mythen und Legenden als die allerersten Aufzeichnungen der Menschheitsgeschichte bezeichnen, die viele Jahrhunderte nur mündlich überliefert wurden. Ich befasse mich in meinen Romanen mit dem Keltentum – und zwar wissenschaftlich und spirituell, weil beides nicht voneinander zu trennen ist – und mit den Dakern, über die es aber leider kaum Aufzeichnungen gibt. In beiden Kulturen liegen ähnliche Strukturen vor. So wundert es nicht, dass sich sowohl in Irland/Schottland als auch in Rumänien heidnisches Gedankengut über Jahrtausende erhalten konnte und trotz eines streng christlichen Glaubens immer noch praktiziert wird.

 

Jeder „Naturglaube“ enthält die Keimzelle zur Wissenschaft. Diese fordert eine logische Erklärung und Beweiskraft. Damit ist ihr Bereich auf den Verstand reduziert. Sobald Gefühle, Spirituelles oder gar Unerklärliches mit ins Spiel kommen, bewegen wir uns im Bereich des Glaubens und damit des Menschseins. Denn Menschsein ist mehr als Zahlen und Fakten.

 

 

Warum heißt dein Titelheld Nicholas ab Band 2 Nicolae?

 

Nicolae ist der rumänische Name für Nicholas. Da das Schicksal meinen Titelhelden ab Band 2 in das damalige Fürstentum Rumänien verschlägt, wird er in den Folgebänden so genannt. Eigentlich entfällt nur das „h“ und der letzte Buchstabe wird durch ein „e“ ersetzt – sprich: Niekolaje, Betonung auf dem „a“.

 

 

Dieses Jahr veröffentlichst du bereits den 3. Band deiner Nicolae-Reihe, mit dem Titel „Jenseits der Wälder“. Worauf dürfen sich die Leser/innen diesmal freuen?

 

In „Nicolae – Jenseits der Wälder“ erweitert sich der Handlungsort um Transsilvanien, was übersetzt jenseits der Wälder bedeutet. Nicolae besucht dort die siebenbürgische Schule in Hermannstadt (Sibiu) und wird mit den Eigenheiten der deutschen Kolonisten konfrontiert, mit Dünkel, Disziplin und Bismarck-Verehrung. Und natürlich mit den Sprösslingen der Siebenbürger Sachsen, mit Anführern, Mitläufern und Prügelknaben.

 

Daheim im Karpatenschloss gewinnt er - und somit der Leser – immer tiefere Einblicke in einzelne Lebensgeschichten des Gesindes sowie der Bergbewohner mit ihren jahrhundertealten Mythen und Legenden. Dabei kommt Überraschendes, Tragisches, manchmal gar Schockierendes ans Licht. Die Blickwinkel verändern sich: Nichts ist mehr so, wie es einmal schien.

 

Im Kontrast dazu erlebt Nicolae die mondäne Bukarester Gesellschaft - die fleißig dabei ist, gen Westen zu schielen und das Pariser Leben zu imitieren - als dekadent. Er begreift, dass sie, welche die Geschicke des Landes lenken, jegliche Beziehung zum Volk verloren haben. Er hadert mit dem Stand, dem er angehört, und fürchtet sich vor der ihm zugedachten Rolle, die er späterhin einnehmen soll.

 

Zusätzlich trägt er an einem schweren Familienerbe. Immer wieder greift die Vergangenheit nach ihm und stellt ihre Forderungen. Schon bald weiß er kaum noch zwischen Realität und Traum zu unterscheiden.

 

Zwischen all diesen Wirrnissen begegnet ihm aber auch Schönes wie Freundschaft, erste Liebe und die Erfüllung eines großen Wunsches.

 

 

Kann der 3. Band auch gelesen bzw. verstanden werden, ohne die beiden ersten Bände zu kennen?

 

Mit Sicherheit kann man mit Band 2 in die Nicolae-Reihe einsteigen, ohne den 1. Band gelesen zu haben, der mit seinem Handlungsort im viktorianischen England für sich steht.

 

In Band 2 muss sich Nicolae in eine ihm fremde Kultur und Mentalität einleben. Dazu gehören untrennbar mystische Stätten sowie der „Aberglaube“, aber auch einige historische Zusammenhänge. Durch Nicolae lernt der Leser ein für die meisten unbekanntes Land kennen.

 

Wer in Band 3 einsteigt, wird sich sicherlich gut unterhalten und von den einzelnen Geschichten berührt fühlen, doch dürfte es schwerer fallen, die Verflechtungen zu begreifen und die Handlungsmotive der in Band 2 bereits eingeführten Charaktere nachzuvollziehen.

 

Die große Rumänien-Saga beginnt definitiv mit Band 2 „Nicolae – Hinter den Pforten“.

 

 

Welchen der bisher veröffentlichten Bände hast du am liebsten geschrieben?

 

Das lässt sich nicht so leicht beantworten, weil jeder Band seinen ganz eigenen Charakter hat.

 

Band 1 war schon harte Arbeit, wie wahrscheinlich jeder Debütroman.

 

Band 2 hat mir sehr viel Freude bereitet, weil die Recherchearbeit dazu ein aufregendes Abenteuer war. Zunächst hatte ich nur einzelne Fäden, doch schnell wurde das Gewebe dichter und bunter – denn genauso ist Rumänien. Die Romanfiguren entstanden quasi von selbst. Ich habe sie durch Nicolaes Augen gesehen, sie zusammen mit ihm kennen und lieben gelernt.

 

Band 3 erhielt seinen Reiz dadurch, dass ich mit bereits bekannten Figuren arbeiten konnte. Noch tiefer in ihre Charaktere einzudringen und diese herauszuarbeiten, war sehr bereichernd. Dadurch, dass der äußere Rahmen bereits abgesteckt war, konnte ich mich auf Feinheiten und das Spiel mit dem Mystischen konzentrieren.

 

 

Welche Erfahrungen hast du in den letzten Jahren bezüglich Eigenpromotion und Leser-Feedback gemacht?

 

Das Leser-Feedback war erfreulich positiv und vielschichtig. Je nach Lesart – oder besser: „Lestiefe“ – werden Inhalt und Charaktere sehr unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert. Das hängt wohl damit zusammen, dass ich verschiedene Blickwinkel aufzeige, ohne zu werten. Alles ist im Fluss, Perspektiven verschieben sich, Zusammenhänge erschließen sich und schon entsteht ein völlig neues Bild. Es gibt keine absolute Wahrheit, obwohl alle auf der Jagd danach sind. Und es geht in dieser Familien-Saga immer um zutiefst Menschliches, das zeit- und kulturunabhängig uns darum auch heute beschäftigt, beglückt oder quält. Identifikationsmodelle sind also genügend vorhanden – es muss nicht immer der Titelheld sein. 

 

Eigenpromotion – ein ganz schwieriges Thema. Jedenfalls, wenn man nicht zum Marktschreier und Selbstdarsteller geboren ist. Doch: Wenn man bescheiden auftritt, wird man nicht wahrgenommen. Rasseln gehört zum Handwerk, das mir aber absolut nicht liegt.

 

Trotzdem wünsche ich mir viele Leser, denn ich bin davon überzeugt, dass meine Familien-Saga diese mitnimmt in eine alte und doch vertraute Welt, die Emotionen und Neugierde weckt, Kultur und Werte vermittelt sowie den eigenen Blickwinkel in Frage stellt. Ich glaube fest an meine Romane. Denn Glaube hat mehr Kraft als Wissen. Das habe ich von Nicolae gelernt.

 

 

Warum hast du dich entschieden, bei Pro Business zu veröffentlichen?

 

Mit Herz & Seele zu schreiben – also jenseits von Trends und Zielgruppen -, kann man sich nur bei einem Book-on-Demand Verlag erlauben.

 

Auf Pro Business fiel meine Wahl, weil sie mit Qualität und Seriosität aus dem Meer der Book on Demand-Verlage herausragen und weil ich dort eine persönliche Autorenbetreuung statt eines anonymen Kundenservices vorfinde. Dort gibt es keine bösen Überraschungen durch fertig geschnürte Pakete. Jede Dienstleistung ist einzeln buchbar und mit den entsprechenden Preisen ausgewiesen. Nach Vorlage des Manuskripts bekomme ich klipp und klar die Kosten mitgeteilt, die auf mich zukommen. Das nenne ich fair.

 

 

Dieses Interview wurde von Katerina Zemke im Juli 2013 für den Pro Business Verlag geführt und findet sich in leicht abgewandelter Form auch unter:

 

http://www.book-on-demand.de/autoreninterview/aurelia-l-porter-glaube-hat-mehr-kraft-als-wissen