Literarisches Rumänien

AURELIAS LITERATUREMPFEHLUNGEN

 

FÜR RUMÄNIEN-INTERESSIERTE

 

LYRIK

Foto: alp
Foto: alp

Mihail Eminescu

 

Die frühen Werke des bedeutendsten rumänischen Dichters des 19. Jh. sind von einem romantisch-melancholischen Ton geprägt, die späteren – der Zeit entsprechend - von nationalistisch-sarkastischem Charakter. Ein schwermütiger Geist, der sich während seiner Studienjahre intensiv mit Kant und Schopenhauer beschäftigte und zur Entwicklung der modernen rumänischen Hochsprache beitrug. Seine Werke wurden auch in andere Sprachen übersetzt.

 

Mihail Eminescu, „Gedichte“ (rumänisch-deutsch)

Dionysos Verlag, ISBN 3-933427-02-9

 

Mihai Eminescu, „Der Abendstern – Gedichte“ (rumänisch-deutsch)

Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, ISBN 3-87162-048-3

 

Foto: alp
Foto: alp

Mircea Cărtărescu

 

Der führende Kopf der rumänischen Gegenwartsliteratur veröffentlichte eine Reihe von Gedichtbänden, bevor er sich Ende der 80er Jahre der Prosa zuwandte.

Sein „Spülbeckengedicht“ ist eine persiflierte Hommage auf Eminescus „Abendstern“. Cărtărescu versteht es famos, den gewöhnlichen Dingen des Alltags Poesie zu verleihen.

 

Mircea Cartarescu, „Selbstportrait in einer Streichholzflamme“ (deutsch)

DAAD Berliner Künstlerprogramm,

ISBN 3-89357-099-3

Foto: alp
Foto: alp

Anthologie (zehn rumänische Dichter) – Abgenutzter Engel (Gegenwartslyrik)

 

Ein Ausschnitt aus der aktuellen rumänischen Poesielandschaft, entstanden aus dem Literaturaustausch des Rheinland-Pfälzischen Schriftstellerverbandes und der Schriftstellergesellschaft von Neamţ.

 

Anthologie, Abgenutzter Engel (rumänisch-deutsch)

Dionysos Verlag, ISBN 3-933427-13-4

 

Foto: alp
Foto: alp

Constantin Dragoș (Gegenwartslyriker)

 

... studierte rumänische und deutsche Literatur in Iași, veröffentlichte als Student und später als Deutschlehrer in Bukarest Gedichte und Erzählungen. Er lebt derzeitig in München. Seine Gedichte sind verwoben mit den Mythen und Sagen seiner Heimat und bergen beide Kulturen, in denen er zu Hause ist.

 

Constantin Dragos, „die namenlose stunde - nicicând“ (rumänisch-deutsch)

Deutscher Lyrik Verlag, ISBN 978-3-89514-989-4

PROSA

 

- DIE KLASSIKER -

Ion Luca Caragiale

 

Der bedeutendste Dramatiker Rumäniens wurde 1852 in Muntenien (Walachei) geboren und starb 1912 im freiwilligen Exil in Berlin. Der Begründer des „komischen Theaters“ und Mitbegründer des Nationaltheaters entstammt einer Schauspielerfamilie. Seine gesellschaftskritischen Komödien werden oft mit denen Molières verglichen. Vor allem der Bourgeoisie mit ihrem dünkelhaften Gehabe hält Caragiale einen Spiegel vor und kritisiert mit ätzender Ironie das politische Ränkespiel. Diesbezüglich besonders zu erwähnen wäre Der verlorene Brief – O Scrisoare pierduta in der Übersetzung von Mite Kremnitz.

 

Etliche seiner Werke wurden verfilmt und sind auszugsweise auf youtube zu sehen.

 

Leider sind Caragiales Werke in deutscher Übersetzung oft nur noch im Antiquariat erhältlich.

 

Anlässlich seines 100. Todesjahres 2012 gibt es in Zusammenarbeit mit der Rumänischen Botschaft in Berlin etliche Veranstaltungen.

 

Eine Hommage an I. L. Caragiale anlässlich seines 100. Todestages 2012

Tudor Arghezi

Foto von en.wikipedia.org
Foto von en.wikipedia.org

1880 in Bukarest geboren, tauschte er 1905 sein Leben als Mönch eines orthodoxen Klosters gegen ein Bohème-Leben in Paris ein.

1910 kehrte er nach Rumänien zurück.

Er gehört zu den vielseitigsten und schreibwütigsten Schriftstellern seiner Zeit. Der Zwischenkriegsgeneration angehörend, ist er auch heute noch politisch umstritten.

Seine Werke jedoch kennzeichnen sich durch eine einzigartige Symbiose von traditionellem und modernem Schreibstil und verleihen der Groteske eine gewisse Ästhetik. Unvergesslich bleibt mir der Roman Der Friedhof. Dort beschreibt Arghezi auf virtuose Weise eine Szene, in der sich ein hoher Würdenträger an einem Löffel Suppe verschluckt, da er solch "bäuerlicher" Nahrung schon lange entwöhnt sei. Erstaunlich, wie viel Komik und Kritik zugleich in einem so belanglosen Vorfall liegen kann.

 

Auch Arghezis Werke sind (zumindest in deutscher Sprache) nur noch antiquarisch erhältlich, dennoch unbedingt lesenswert.

 

Mihail Sadoveanu

Foto: alp
Foto: alp

 

Ebenfalls 1880 geboren, widmet sich Sadoveanu vorwiegend dem historischen Abenteuer-Roman und Naturbeschreibungen. Aus der Moldau-Region stammend, beschreibt er vorzugsweise das Leben der moldauischen Bauern und Schäfer. Er bedient sich einer historisch authentischen Sprache, weswegen es in seinen Büchern meist einen Anhang mit der Übersetzung spezifischer Begriffe gibt.

 

Auch seine Romane sind nur noch im Antiquariat erhältlich, aber in reichlicher Auswahl auf Amazon marketplace vorhanden.

 

Besonders zu empfehlen ist die Trilogie Die Brüder Jderie:

Band 1: Die Lehrjahre des kleinen Ion

Band 2: Die weiße Quelle (darin ist übrigens die berühmte Legende, wie die Moldau (Moldova) zu ihrem Namen kam, verarbeitet)

Band 3: Die Getreuen Stefans des Großen

 

- DIE ZEITGENOSSEN -

Foto: alp
Foto: alp

Mircea Eliade

 

Der 1907 in Bukarest geborene weltberühmte Philosoph und Religionswissenschaftler studierte in Bukarest und Indien, lebte und lehrte ab 1945 in Paris, ab 1954 an der Universität in Chicago, wo er 1986 verstarb. Er veröffentlichte diverse Romane, Erzählungen und Reiseberichte, sowie wissenschaftliche Arbeiten über religiöse Phänomene, Religionen und Mythen. Er gilt als Begründer der Schamanismus-Forschung.

 

Sein populärster Roman Jugend ohne Jugend (Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3518458808) wurde 2007 von Francis Ford Coppola mit Alexandra Maria Lara und Tim Roth in den Hauptrollen verfilmt.

 

Ebenfalls zu empfehlen sind:

  • der Erzählband Magische Geschichten (insel taschenbuch, ISBN 978-3458336235),
  • der Roman Hochzeit im Himmel (Herder Verlag, ISBN 978-3451040566), eine Liebesgeschichte, die vom Stil her zeitweilig an Dostojewskij erinnert (siehe meine Amazon-Kundenrezension vom April 2011)
  • sowie seine anderen thematisch wie stilistisch sehr unterschiedlichen Werke. Stets schwingt eine gewisse Mystik mit, in dessen Bann der Leser gerät.

Meine Amazon-Kundenrezension zu Auf der Mantuleasa-Straße (Suhrkamp) lesen Sie bitte hier.

Mircea Cărtărescu

Fotos: alp
Fotos: alp

Der mehrfach preisgekrönte rumänische Schriftsteller wurde 1956 in Bukarest geboren und wird gerne als „Proust des Plattenbaus“ oder „Wohnblockmystiker“ bezeichnet. Seine Werke sind sprachlich fantastisch-poetische Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend im sich baulich wandelnden Bukarest der 60er und 70er Jahre – mit teilweise historischem Rückblick auf die 40er und 50er in seiner Trilogie „Orbitor“, in der die Geschichte seiner Familie zur Weltgeschichte gerät. Geprägt sind seine Werke von detaillierten Schilderungen scheinbar belangloser Alltäglichkeiten, die zu verworrenen Träumen und grotesken Phantasien ausufern, überbordend und faszinierend zugleich. In diesen abstrusen Abgründen hält Cartarescu seine Leser gefangen und gibt sie erst wieder frei, wenn die Geisterbahnfahrt - sprich: Lektüre - beendet ist.

  • Nostalgia (Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3-518-42074-4), fünf Kurzgeschichten voll skurriler Episoden, die sich auf wundersame Weise am Ende zu einer einzigen Erzählung fügen, wecken im Leser eigene Erinnerungen und pulen längst Vergessenes aus den hintersten Winkeln des Gehirns hervor.
  • Die Wissenden und Der Körper, die ersten beiden Bände der Orbitor-Trilogie, (erschienen im Zsolnay Verlag ISBN 978-3-552-05406-5 + ISBN 978-3-552-05504-9), sind etwas für eingefleischte Cartarescu-Fans.
  • Der 3. Band Die Flügel ist 2014 im selben Verlag erschienen.

 

Cătălin Dorian Florescu

Fotos + Collage: alp
Fotos + Collage: alp

Der in der Schweiz lebende und 1967 in Timisoara (Banat) geborene Schriftsteller, verließ zusammen mit seinen Eltern seine Heimat im Alter von 15 Jahren . In Zürich studierte er Psychologie und arbeitete zunächst als Psychotherapeut, bevor er sich der Schriftstellerei zuwandte.

Seine Werke sind von einem unvergleichlichen Stil geprägt - auf humorige Art anrührend und schockierend zugleich, und immer ganz nah beim Menschen. Die Liebe zu seinem ersten Heimatland schwingt zwischen den Zeilen und selbst in den krudesten Schilderungen mit.

 

  • Wunderzeit (Pendo-Verlag, ISBN 3-85842-395-5), sein 2001 erschienener Debütroman ist die wohl schönste Liebeserklärung, die ein Sohn seinem Vater machen kann. Darin beschreibt Florescu seine erste Heimat aus Sicht des Kindes, das genau hinhört, was die Erwachsenen sagen, und beobachtet, wie sie sich verhalten, um dann seine eigenen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Ein Auslandsaufenthalt in Italien und Amerika bringt Vater und Sohn einander näher, als es im normalen Familienumfeld möglich gewesen wäre, und macht außerdem die Unterschiede zum Leben in der eigenen Heimat deutlich. Ein äußerst liebenswerter Roman, ohne Schwarz-Weiß-Malerei. 

Unbedingt zu empfehlen sind auch: 

 

  • Der blinde Masseur (Pendo-Verlag, ISBN 3-86612-079-6), in dem ein in der Schweiz als erfolgreicher Geschäftsmann lebender Exilrumäne nach Jahren in seine Heimat zurückkehrt und sich auf die Spuren seiner Identität macht. Inzwischen völlig verwestlicht, erlebt der Protagonist zunächst einen Kulturschock und wird dennoch sukzessive von der Mentalität seiner ersten Landsleute gefangen genommen. Die Sehnsucht nach Authentizität wächst fast unbemerkt, sodass er sein bisheriges von materiellem Erfolg gekrönte Leben ablegt wie eine bleischwere Weste.  - „Es braucht noch Orte ohne Fortschritt.“, konstatiert der blinde Masseur eines heruntergekommenen rumänischen Kurortes. Dieser lässt, seit er sein Augenlicht verloren hat, die größten Werke der Weltliteratur von Dorfbewohnern und Kurgästen auf Band sprechen. Aber nicht nur, um sich die Welt der Bücher dadurch wieder zugänglich zu machen, sondern auch, um den Vorlesern die Augen für ihr eigenes Leben zu öffnen. Die Wahl der Werke und des Vortragenden trifft er daher mit Bedacht. Dieser Roman ist neben der Infragestellung materieller Werteabsicherung eine Liebeserklärung an die Weltliteratur.

 

  • Zaira (Beck-Verlag, ISBN 978-3406570292), die Lebensgeschichte einer Rumänin, die als Tochter eines adligen königstreuen Offiziers aufwächst und, während die Eltern in der Weltgeschichte umherreisen, auf dem Gutshof von Großmutter, Cousin und Gesinde aufgezogen wird. Der zweite Weltkrieg durchbricht ihre bis dahin, wenn auch eltern-, so doch sorglose Jugend. Erst kommen die Deutschen, dann die Russen, schließlich die rumänischen Kommunisten. Des Hab und Gutes enteignet und gedemütigt, muss Zaira hilflos mit ansehen, wie Leben um sie herum zerbrechen. Sie entwickelt einen ihr eigenen Trotz, um den Kampf ums Überleben anzugehen. Ein durch und durch bemerkenswerter Roman um eine starke, aber auch stolze Frau, mit unerwarteten Wendungen. 

 

Foto: alp
Foto: alp

Claudiu M. Florian  

 

… 1969 geboren, studierte Germanistik und Geschichte in Bukarest, Bielefeld und München, arbeitete als Presseattaché an der Botschaft von Rumänien in Berlin. 

 

In Zweieinhalb Störche (Transit Buchverlag, ISBN 978-3-88747-235-1), seinem 2008 erschienenen Debütroman, beschreibt er seine "Zwei-Kulturen-Kindheit" in Siebenbürgen der 70er Jahre.

 

Beide Eltern sind als Schauspieler in Bukarest tätig, so wächst er bei seiner siebenbürgischen Großmutter und seinem rumänischen Großvater auf dem Lande auf. Dort entdeckt er, dass es von allem „mehrerlei“ gibt – mehrerlei Menschen, mehrerlei Sprachen, mehrerlei Kirchen. Und mehrerlei Verwandtschaft, nämlich diejenige „Ausdeutschland“, die „eiserne Autochens“ mitbringt, wenn sie zu Besuch kommt, und die rumänische, deren Mitbringsel nur aus Plastik "made in China" bestehen. 

Die Verschiedenartigkeit der Kulturen bringt ihn häufig in Verwirrung. Er kann nicht begreifen, wieso er beispielsweise nach der Weihnachtsmesse in der Sachsenkirche nicht wie alle anderen Kinder ein Säckchen mit Süßigkeiten bekommt, nur weil sein Nachname kein deutscher ist. Gut, dass die siebenbürgische resolute Großmutter umgehend für Gerechtigkeit sorgt.

 

Mit den sorgfältig eingestreuten kindlichen Begriffen, die allesamt besondere Eigenschöpfungen sind, versteht es Florian vortrefflich, den Leser auf die Ebene des Ich-Erzählers zu ziehen und die Dinge aus seiner Perspektive sehen zu lassen. Ein Roman, der die Unterschiede beider Kulturen zum Ausdruck bringt sowie die politischen Widersinnigkeiten jener Zeit.

 

Sein Buch wurde im Februar 2012 auch im rumänischen Polirom Verlag unter dem Titel : Vârstele jocului în strada cetaţii veröffentlicht.

 

Foto: alp
Foto: alp

Eginald Schlattner

 

... 1933 in Fogarasch, am Fuße der Karpaten, geboren, studierte Theologie, Mathematik und Hydrologie, arbeitete viele Jahre als ev. Pfarrer in Rosia (Rothberg) bei Sibiu (Hermannstadt) und als Gefängnispfarrer.

 

Seine autobiographischen Romane:

 

  • Der geköpfte Hahn (1998)
  • Rote Handschuhe (2000)
  • Das Klavier im Nebel (2005)

beschreiben das Leben in Siebenbürgen zwischen1943 bis zum Ende der 50er Jahre.

In seinen Werken vermittelt Schlattner in einer überraschend frischen und direkten Sprache hautnah und eindringlich die damalige politische Stimmung im Vielvölkerstaat Siebenbürgen, so, wie er sie als Schüler und später als Student wahrgenommen hat. Seine Romane behandeln die großen Lebensfragen, stecken voll philosophischer Betrachtungen und rauer Realität. Familienwerte, Freundschaft, Loyalität, Rivalität, die erste Liebe, all das in schweren und verwirrenden Zeiten führen zu einem existenziellen Kampf. Doch niemals verliert Schlattner dabei den Blick fürs Menschliche.

 

Besonders erwähnenswert ist, dass Schlattner die Zeiten zwischen Faschismus und Kommunismus schonungslos beschreibt, ohne den teutonisch moralischen Zeigefinger zu erheben. Durch seine authentische Erzählweise wird deutlich, dass die Frage nach Schuld, nach richtig und falsch, niemals eindeutig zu beantworten sein wird, und dass pauschale Verurteilungen, gleich auf wen sie abzielen, dem komplexen Wesen Mensch niemals gerecht werden können.

 

Foto: alp
Foto: alp

Ganz neu (2012):

 

Mein Nachbar, der König

 – Verlassene Geschichten

erschienen im Schiller Verlag, Hermannstadt. ISBN 978-3-941271-42-5

 

Die Literaturwissenschaftlerin Michaela Nowotnick hat diese frühen Texte Schlattners im Sommer 2009 in einem Koffer entdeckt. Von Mäusespuren und dem Staub der Zeiten befreit, hat sie diese zu einem Erzählband zusammengestellt.


Meine Amazon-Kundenrezension finden Sie hier.


Eginald Schlattner liest die Erzählung "Die Zigarette" aus "Mein Nachbar, der König":

 

 

Lesen Sie hier die Geschichte des Gefängnispfarrers Eginald Schlattner:

 

Das Interview führte Nina May.

Die wundervollen Fotos von Rosia/Rothberg hat George Dumitriu beigesteuert.

 

 

Foto:alp
Foto:alp

Carmen-Francesca Banciu


 ... lebt seit 1991 als freie Schriftstellerin in Berlin. Ihre beiden Werke Vaterflucht und Das Lied der traurigen Mutter (beide im Verlag Rotbuch) beschreiben ihre Kindheit und Jugend als Tochter regimetreuer Eltern im kommunistischen Rumänien. So wie diese hat auch sie zu funktionieren und ein "neuer Mensch" im Sinne der Partei zu werden. Individualität wird im Keim erstickt, Abweichungen von der gewünschten Norm brutal ausgetrieben.

 

Aber die beiden Werke Bancius sind weit mehr als eine Abrechnung mit dem elterlichen Erziehungsstil und dem kommunistischen Regime. Sie zeigen hautnah, welchen Schmerz Kindern zugefügt wird, von denen nichts als Leistung und Konformität gefordert wird und deren Wünsche und Emotionen unterdrückt werden. Die seelischen Verletzungen wirken ein Leben lang.

 

Die künstlerischen Sprachmittel der Autorin - von Satzteilwiederholungen bis Satzzerstückelungen - erzeugen eine eindringliche Atmosphäre. Eine Lektüre, die einen nicht loslässt und zu einem gnadenloses Miterleben zwingt.

 

Zwei unglaublich starke und nachhaltige Werke.

Foto: alp
Foto: alp

Ursula Ackrill

 

... gebürtige Kronstädterin, studierte in Bukarest und lebt inzwischen in England. Ihr Roman Zeiden, im Januar wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 nominiert.

 

Sie beleuchtet in ihrem Erstling (Verlag Klaus Wagenbach) die Geschichte der Siebenbürger Sachsen aus verschiedenen Blickwinkeln - abseits von verklärter Heimatliebe. Die ehrliche und selbstkritische Sichtweise macht diesen Roman zu einer Bereicherung für alle wahrhaft historisch Interessierten. Aber auch für solche, die etwas mehr über dieses besondere deutschstämmige Völkchen auf rumänischem Boden wissen wollen. Vorkenntnisse wären allerdings empfehlenswert, um den Sinn hinter manchen recht eigenwilligen - um nicht zu sagen: eckigen - Formulierungen zu erkennen. Immer hat er sich mir nicht erschlossen.

 

 

Foto: alp
Foto: alp

Liliana Le Hingrat

 

... studierte in ihrer Heimatstadt Iasi  Geschichtswissenschaften und lebt seit

1996 in der Nähe von Köln.

 

In ihrem historischen Roman Das dunkle Herz der Welt (Weltbild Premiere/ab Nov. 2015 im Knaur Verlag) beleuchtet sie mit viel Einfühlungs-vermögen eine undurchsichtige Epoche: Europa im 15. Jh. am Vorabend der Türkenkriege.

Dabei ist es ihr hervorragend gelungen, diese lebendig darzustellen mit Helden aus Fleisch und Blut.

 

Vladislav Draco (Sohn des ehemaligen Fürsten der Walachei und Ritter des Drachenordens) versucht, seinen Thron zurückzuerobern. Die Intrigen und das Wechselspiel an den europäischen Höfen machen ihn zum Spielball von Machtstreben, Religionskriegen und Verrat.

Der Leser kämpft und leidet mit ... als wäre er dabei gewesen!

 

Meine vollständige Rezension lesen Sie bitte hier.

 

 

SACHBUCH 

Fachliteratur über Carmen Sylva von Dr. Silvia Irina Zimmermann

Wer sich näher mit dem Leben und Wirken Carmen Sylvas - der dichtenden Königin Elisabeth von Rumänien - beschäftigen möchte, dem seien fünf von Dr. Silvia Irina Zimmermann herausgegebene Werke empfohlen. Sie promovierte über das literarische Schaffen Carmen Sylvas und betreibt mehrere Websites zu dieser Ausnahmeerscheinung des 19. Jahrhunderts. 2013 gründete sie die Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs in Neuwied.

Mehr Info unter: www.carmensylva-fwa.de

 

Die dichtende Königin –

Elisabeth zu Wied, Königin von Rumänien, Carmen Sylva

Selbstmythisierung und prodynastische Öffentlichkeitsarbeit durch Literatur

 

… beleuchtet literaturwissenschaftlich das umfangreiche und vielseitige literarische Schaffen Carmen Sylvas. [ ... ] Mehr dazu, siehe meine Amazon-Kundenrezension: www.amazon.de

 

(ibidem Verlag, ISBN: 978-3838201856)

 

Der Zauber des fernen Königreichs

Carmen Sylvas Pelesch-Märchen

 

… beschäftigt sich ausführlich mit Carmen Sylvas „Pelesch-Märchen“, die im Königreich Rumänien geschrieben und durch die märchenhafte Landschaft des Pelesch-Tals [ … ] inspiriert wurden. 

Mehr siehe: www.amazon.de

 

(ibidem Verlag, ISBN: 978-3838201955)

Carmen Sylva

Gedanken einer Königin –

Les pensées d’une reine

 

Gesammelte Aphorismen in deutscher und französischer Sprache und Epigramme der Königin Elisabeth von Rumänien im ibidem Verlag, ISBN 978-3-8382-0385-0

 

Ausgewählte Aphorismen in der Edition Noëma,

ISBN 978-3-8382-0375-1

Mehr Info unter: www.carmen-sylva.de

Pelesch-Märchen

 

Carmen Sylva war so verzaubert von der Landschaft der Südkarpaten, in der sie sich ihre Sommer-Residenz erbauen ließ, dass diese sie zum Schreiben von Märchen anregte. So entanden in Schloss Peles die "Pelesch-Märchen", in denen sie Motive aus der rumänischen und deutschten Volksliteratur mit der sie umgebenen Natur verband. Dadurch entsteht der Eindruck einer lokalen mündlichen Überlieferung. Dieses literarische Kunstwerk zeigt deutlich, wie inniglich sich die deutschstämmige Königin mit ihrem rumänischen Reich verbunden fühlte.

 

Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Dr. Silvia Irina Zimmermann.

Erschienen 2013 im ibidem-Verlag, ISBN 978-3-8382-0465-9