Roberts Lieblingsgemälde

Edouard Manet (1832-1883) - Le Dejeuner sur l'herbe, 1863 / Quelle: Wikimedia Commons
Edouard Manet (1832-1883) - Le Dejeuner sur l'herbe, 1863 / Quelle: Wikimedia Commons

Manets Skandalwerk Frühstück im Freien rief Kunstkritiker wie Moralisten auf den Plan. Erstere tadelten ihn für seine neuartige Farbge-bung und Pinselführung, Letztere für seine sinn-liche Darstellung einer Nackten. Weibliche Akte galten nur als akzeptabel, wenn sie idealisiert, also in Form von Göttinnen dargestellt waren. Eine allzu menschliche Nackte hingegen erregte Anstoß beim Publikum.

 

Manet als ersten impressionistischen Maler zu bezeichnen ist streng genommen verkehrt, doch hat er die französische Malerei des 19. Jh., vor allem die späteren Impressionisten, aufgrund seiner unkonventionellen Sujets und seiner Pinseltechnik maßgeblich beeinflusst. Manet selbst sah sich jedoch nicht als Revolutionär. Dennoch erntete er harsche Kritik und erfuhr niederschmetternde Schmähungen seiner Werke. Sein Leben lang sehnte er sich nach öffentlicher Anerkennung.

 

 

Edouard Manet - Olympia, 1863, ausgestellt 1865 / Quelle: Wikimedia Commons
Edouard Manet - Olympia, 1863, ausgestellt 1865 / Quelle: Wikimedia Commons

Obwohl die Thematik der Olympia eine lange Tradition in der Malerei hatte, wurde Manet für seine Art der Darstellung heftig kritisiert. Der schamlose Blick des Modells sowie das erotische Beiwerk (die Blumen eines Verehrers, der luxuriöse Schmuck) ließen keinen Zweifel daran, welchem Gewerbe die junge Frau nachginge, so hieß es. Eine nackte Prostituierte mit heraus-forderndem Blick, die frech die Rolle der klassischen Venus einnimmt, käme einer Verhöhnung der traditionellen Malerei gleich.

„Die Beleidigungen treffen mich wie dichter Hagel“, schrieb Manet an seinen Freund Baudelaire und reiste für einige Zeit nach Spanien.

 

Die alljährlich von der Jury des Pariser Salons  abgelehnten Gemälde - wozu die beiden oben angeführten Werke Manets gehörten - waren ab 1863 in einer gesonderten Ausstellung im Salon des Refusés zu sehen. Dort konnte sich das Publikum eine eigene Meinung dazu bilden.

 

Anm.: Roberts detaillierten Umschreibungen der beiden Skandalwerke sowie seine amüsanten Erläuterungen über die Reaktionen der Ausstellungsbesucher sind leider dem Rotstift zum Opfer gefallen. Es sei an dieser Stelle verraten, dass Mr. Emerson seine helle Freude bei seinem Besuch im Salon des Refusés hatte!

 

Manet konnte aber auch ganz anständig …

Edouard Manet - Junge Dame mit Papagei, 1866 / Quelle: Wikimedia Commons
Edouard Manet - Junge Dame mit Papagei, 1866 / Quelle: Wikimedia Commons

Rebeccas Malerei

Claude Monet (1840-1926)  Frau mit Schirm, 1875 / Quelle: Wikimedia Commons
Claude Monet (1840-1926) Frau mit Schirm, 1875 / Quelle: Wikimedia Commons

… war schon sehr vom zukünftigen Zeitgeist des Impressionismus durchdrungen, der zu ihrer Zeit jedoch noch nicht so genannt wurde. Hätte sie sich selbst mit Nicholas darstellen sollen, so hätte sie es höchstwahrscheinlich wie Claude Monet auf dem neben-stehenden Gemälde getan, das dessen Frau Camille mit Sohn Jean zeigt.

Auch Rebecca ging es nicht mehr so sehr um die Wiedergabe der Realität, sondern um den ganz persönlichen Eindruck, das Gefühl des jeweiligen Augenblicks, die Impression. Ihr Lieblingssujet war von jeher die Natur: der Cottage-Garten, die umliegenden Wiesen und Weiden, die Meeresküste. Mit ihrer inneren Rebellion gegen die sie einengenden gesellschaftlichen Konventionen, brach sie auch mit denen, die in der Malerei vorgegeben waren. Locker getupfte Farben trieben ihr buntes Spiel auf ihrer Staffelei, die sie später auch außerhalb des heimischen Gartens aufstellte, um Licht und Schatten einzufangen. Ihre Malerei, der strengen Konturen und Farbkompositionen enthoben, war ein Aufschrei nach Freiheit und persönlicher Ausdrucksweise.

 

Claude Monet - Impression, soleil levant, 1872 / Quelle: Wikimedia Commons
Claude Monet - Impression, soleil levant, 1872 / Quelle: Wikimedia Commons

1865 fand eine Gruppe französi-scher Maler zusammen, die, statt biblische Allegorien, antike Szenen und Heldenporträts zu malen, in die Pariser Straßen, Cafes und Parks hinausgingen, um so ganz alltägliche Szenen in einem festgehaltenen Moment zu dokumentieren. Unter ihnen waren Edouard Manet, Claude Monet, Edgar Degas, Berthe Morisot, Camille Pissarro und Pierre-Auguste Renoir. 1874 gaben sie zusammen mit anderen gleichgesinnten Malern eine Ausstellung. Dort war unter anderem obenstehendes Gemälde Monets zu sehen, das der Art der Malerei schließlich seinen Namen gab. Der Begriff Impressionismus war geboren.

Dieser repräsentiert sehr schön den damaligen Zeitgeist. Dem herrschenden Realismus, der in der darstellenden Kunst in der fortentwickelten Fotografie seine Perfektion fand, setzten die malenden Künstler bewusst einen Trend entgegen, in dem das Individuum seinem Gefühl, seiner Stimmung endlich wieder Ausdruck verleihen konnte. Das einzig realistische Element dieser Stilrichtung ist das Sujet selbst, durch den Künstler gespiegelt. Waren bis dato nur verklärende, heroische oder erhabene Motive (meist Auftragsarbeiten) dokumentiert, galt es nun das Banale, das Alltägliche festzuhalten. Somit haben die Impressionisten ein wunder-bares Dokument des 19. Jahrhundert geschaffen.

 

Claude Monet - Weg im Garten des Künstlers, 1901/1902 / Quelle: Wikimedia Commons
Claude Monet - Weg im Garten des Künstlers, 1901/1902 / Quelle: Wikimedia Commons

Das rechtsstehende Gemälde aus der späteren Schaffensperiode Claude Monets hätte Rebecca sicher gut gefallen. Doch Monet litt wie so viele seiner Zeit unter großer finanzieller Not. Seine Werke wurden verspottet.

Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 ließ sich Monet in London nieder, wo er sich intensiv mit den Werken Turners und Constables beschäftigte.  Später kehrte er mehr-mals dorthin zurück und malte Dutzen-

de Ansichten vom Parlamentsgebäude und den Themsebrücken.

Erst 1880 ließen sich seine Bilder verkaufen. Als er im Alter von 86 Jahren starb, war er ein wohlhabender und angesehener Künstler.